DAV-Expedkader Männer | Erfolgreiche Abschluss Expedition in Patagonien

Es ist geschafft! Mit ihrer Rückkehr aus Patagonien haben die Athleten des DAV-Expeditionskaders Männer ein intensives dreijähriges Abenteuer zum Abschluss gebracht. Was als ambitioniertes Ausbildungsprogramm begann, endete mit einer wild improvisierten Expedition in die südamerikanischen Hochanden – und das trotz weltpolitischer Turbulenzen und Wetterchaos, das selbst erfahrene Bergsteiger zum Schwitzen bringt. Aber der Reihe nach.

Drei Jahre, sechs Athleten, unzählige Trainingsrouten

DAV-Expedkader Männer: erfolgreiche Expedition in Patagonien  - Schneefeld -

Anfang 2023 startete alles mit einer strengen Auswahl: Sechs junge Alpinisten setzten sich in einem umfassenden Bewerbungsverfahren durch und landeten im Expedkader. Jonas Fertig, Florian Frank, Luis Funk, Leon Schaake, Hannes Tegethoff und Josef Vögele – Namen, die man sich merken sollte. Unter der Leitung von Trainer Sebastian „Sebi“ Brutscher begannen sie ein intensives Trainingsprogramm, das nicht nur technische Fähigkeiten aufbauen, sondern auch mentale Kraft trainieren sollte.

Die Ausbildung war breit gefächert: Kletterei in den Dolomiten, hochalpine Mehrseilängenklettern, Bigwall-Techniken, Steileis, Mixed Climbing, Spaltenbergung, Gletschertechnik und – besonders wichtig – Expeditionsplanung und Risikomanagement. Der DAV setzt dabei nicht nur auf technische Perfektion, sondern legt großen Wert auf Gruppenprozesse, Selbstorganisation und fundierte Entscheidungsfindung unter Druck.

Weltpolitik schreibt um – Westnepal wird zur Patagonien-Story

Hier beginnt die Geschichte richtig interessant zu werden. Das Team hatte sich monatelang ein abgelegenes Gebiet in Westnepal ausgesucht – die Changla-Region mit unbekannten Fünf- und Sechstausendern aller Schwierigkeitsstufen. Neun Monate Planung, Recherche, logistische Vorbereitungen. Dann: politische Unruhen machen einen Strich durch die Rechnung.

Die Reaktion? Kurzfristig umdisponieren – und zwar in nur neun Tagen! Das Team entschied sich für Patagonien, genauer gesagt für El Chaltén am Fuße des Cerro Torre und des Fitz Roy.[2] Ein mutiger Schachzug, der sich als goldrichtig erwies – auch wenn das argentinische Wetter dem Team ordentlich in die Parade fahren würde.

Patagonien im Oktober: Wenn der Berg nicht mitspielt

DAV-Expedkader Männer: erfolgreiche Expedition in Patagonien

Wer schon mal in Patagonien war, weiß: Das Wetter dort ist legendär unberechenbar. Tagelange Stürme, kaum stabile Hochdruckfenster, Neuschnee und Lawinengefahr bestimmten den Expeditionsalltag.

Wir wussten, dass Patagonien unberechenbar ist – aber das war wirklich eines der härtesten Wetterfenster seit Langem,

berichten die Kadermitglieder.

Trotz dieser widrigen Bedingungen gelang dem Team das, wofür sie trainiert hatten: mehrere anspruchsvolle alpine Unternehmungen, darunter erfolgreiche Touren am Mojón Rojo und Versuche an der legendären Aguja Guillaumet.

Patagonien war trotzdem eine unglaublich intensive Zeit: Die Berge dort zu sehen und bei unserer ersten Tour in der Sonne mit Blick auf den Cerro Torre und das Fitz-Roy-Massiv zu sitzen, war ein echtes Highlight. Aus den Kaderjahren nehme ich vor allem viel Technik, Taktik und Sicherheitswissen mit – und den Kontakt zu vielen supermotivierten, offenen Leuten.

Leon Schaake betont das Emotionale:

Luis Funk und der Cerro Torre – das persönliche Highlight

Ein besonders schönes Kapitel schrieb sich Luis Funk nach der offiziellen Expedition. Das Kadermitglied verlängerte seinen Aufenthalt und nutzte eine Schönwetterphase, um mit zwei argentinischen Alpinisten den Cerro Torre über die legendäre Ragni-Route zu besteigen. Ein 600-Meter-Kletterei auf 90 Grad – nicht gerade eine Kleinigkeit. Luis‘ eigenes Fazit:

Mit meinem Hintergrund als Sport- und Wettkampfkletterer hätte ich mir so etwas nicht träumen lassen, als ich vor drei Jahren zum ersten Mal auf Steigeisen stand.

Das ist das, wofür der Expedkader steht – junge Alpinisten in drei Jahren vom Anfänger zum selbstständigen Bergsteiger entwickeln.

Trainer Brutscher: Das Wichtigste war nicht das Klettern

Sebi Brutscher, der Trainer, bringt es auf den Punkt:

DAV-Expedkader Männer: erfolgreiche Expedition in Patagonien  - Zustieg -

Das Team hat in den letzten zwei Jahren super harmoniert, und wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen. Das wichtigste Lernfeld war die Entscheidungsfindung in der Gruppe. Das kann im Ernstfall entscheidend sein – und ist oft anspruchsvoller, als man denkt. Im Rückblick war gerade das schlechte Wetter in Patagonien, das uns zum Warten zwang, ein wertvolles Learning: Auf Expeditionen sind Flexibilität, Geduld und ein guter Umgang mit solchen Phasen genauso wichtig wie das Klettern selbst.

Genau das ist die Essenz des DAV-Expedkaders – nicht einfach nur hohe Berge bezwingen, sondern lernen, wie man in realen, unvollkommenen Bedingungen als Team funktioniert.

Der nächste Jahrgang kommt

Mit der Rückkehr aus Patagonien endet die Kaderzeit 2023–2025. Ein großes Dankeschön gilt dem Trainerteam, allen Partnern, Unterstützern und den Heimatsektionen. 

Anfang 2026 startet die nächste Auswahlphase. Interessierte junge Alpinisten können sich über die Website des DAV informieren. Der Tipp von Hannes Tegethoff an alle, die noch zögern:

Es sind alles nur Menschen – also einfach mal probieren und anmelden.

Sebi Brutscher wird das nächste Team wieder betreuen und all diese wertvollen Erkenntnisse weitergeben. Ein Kreis schließt sich, ein neuer öffnet sich – das ist das Schöne am Expedkader-System.

  • Credits Text Julian Rohn/ DAV, kletterszene.com
  • Credits Fotos DAV/Sebastian Brutscher DAV/Josef Vögele
  • Beitragsdatum 22. Dezember 2025