Camilla Moroni und Pietro Vidi wiederholen Histoire sans Fin (8b+/ 200m)
Camilla Moroni und Pietro Vidi haben „Histoire sans Fin“ (8b+/5.14a, 200m) am Petit Clocher du Portalet in der Schweiz erfolgreich wiederholt. Moroni ist damit die erste Frau, der eine freie Begehung der Route gelungen ist.

Moroni und Vidi kamen am 1. Juli am Fuße des Petit Clocher du Portalet an und arbeiteten drei Tage lang an der Route. Sie boulderten in dieser Zeit die einzelnen Seillängen in den trockenen Pausen zwischen häufigen Nachmittagsgewittern aus. Nach einigen Ruhetagen verfeinerten sie am 9. und 10. Juli ihre Beta, bevor sie am 12. Juli einen Durchstiegsversuch wagten.
Bei diesem Versuch kletterte Vidi erfolgreich jede Seillänge rotpunkt.
Moroni kämpfte sich durch die 7c-Traverse in der dritten Seillänge und stürzte dann in der vierten Seillänge (8b+) dreimal, bevor sie diesen Abschnitt klettern konnte. Die sechste Seillänge (8b) gelang ihr wiederum schon im zweiten Vorstiegsversuch. Schließlich führte sie die letzte schwere Seillänge (Seillänge 7, 8a+), die sie außerdem flashen konnte.
Nach der Wettkampfsaison beschloss ich, eine dreiwöchige Pause einzulegen, um klettern zu gehen. Ich hatte diese Linie bereits letztes Jahr entdeckt, aber wegen der Wettkämpfe und des Trainings für die Olympischen Spiele hatte ich keine Zeit, sie zu versuchen. In diesem Jahr beschloss ich also, die Herausforderung ohne besondere Vorbereitung anzunehmen.
Camilla Moroni

Es war etwa sechs Monate her, dass Camilla zuletzt einen Klettergurt getragen oder Ausdauer trainiert hatte.
Die 24-Jährige räumte ein, sich zwei Tage vor dem letzten Versuch nicht sehr zuversichtlich gefühlt zu haben, die Route schaffen zu können. Doch nach einem Ruhetag schaltete sie in den Wettkampfmodus.
Die letzte Seillänge ist eine 8a+-Platte, die nicht viel Kraft erfordert, nur Konzentration und Ruhe. Ich habe sie bei meinem ersten Versuch geklettert, und kurz darauf waren wir oben. Was für ein befriedigendes Gefühl!
Camilla Moroni
Pietro fügte hinzu:
Seit Camilla mir in der letzten Saison ein Bild der Route gezeigt hat, wusste ich, dass ich diese verrückt aussehende Arête klettern wollte, und in dieser Saison haben wir endlich beschlossen, es auszuprobieren.
Pietro Vidi
Die beiden hatten zunächst drei Tage im Zelt nahe der Route verbracht, hatten aber ziemliches Pech mit dem Wetter, das ihnen nur erlaubte, morgens ein paar Stunden zu klettern. In der darauf folgenden Woche kamen sie bei wesentlich besseren Bedingungen zurück und verbrachten zwei Tage damit, alle Seillängen auszuprobieren. Die Zuversicht wuchs.
Für Pietro wurde es ein flüssiger und zügiger Durchstieg. Er verbrachte dennoch 12 Stunden in der Wand, um Camilla bei ihrem Durchstiegskampf ebenfalls zu unterstützen.
Sein abschließender Kommentar zum Erlebten bringt den Charakter der Route deutlich zum Ausdruck
Nachdem ich diese Linie und Lurking Fear geklettert bin, kann ich definitiv sagen, dass sich meine Plattentechnik nicht allzu schlecht anfühlt!
Pietro Vidi


