Nach 240 Tagen: Jorge Díaz-Rullo kletert Café Colombia 9c in Margalef

Café Colombia: Jorge Díaz-Rullo schlägt den Grad 9c vor

Mit der erfolgreichen Begehung von Café Colombia hat Jorge Díaz-Rullo eines der härtesten Projekte seiner Karriere abgeschlossen. Am 13. März gelang dem Spanier in Margalef der Durchstieg einer Route, an der er seit Herbst 2021 gearbeitet hatte. Insgesamt investierte Jorge nach eigenen Angaben 240 Klettertage in die Linie – und schlägt nun den Grad 9c vor.

Die Route verläuft durch eine rund 30 Meter lange, stark überhängende Wand und durchgehend schwere Züge im für Margalef typischen Stil. Kleine Zweifingerlöcher, feine Taschen und weite Züge bestimmen den Charakter der Linie. Gefragt sind nicht nur maximale Fingerkraft und Körperspannung, sondern vor allem eine extrem präzise Fußarbeit.

Vier Jahre Arbeit an einem Ausnahmeprojekt

Eingerichtet wurde die Linie im rechten Wandteil ursprünglich vom kolumbianischen Kletterer Anghelo Bernal. Schon früh war klar, dass es sich nicht um eine gewöhnliche High-End-Route handelt, sondern um einen Ausdauertest auf absolutem Topniveau.

Für Díaz-Rullo war Café Colombia (9c) nach eigener Aussage das längste und anspruchsvollste Projekt seiner bisherigen Kletterkarriere. Über mehr als vier Jahre arbeitete er sich Zug für Zug durch die Route, feilte an den Sequenzen und wartete immer wieder auf die passenden Bedingungen für ernsthafte Durchstiegsversuche.

Für mich war vor allem die enorme Gesamtanforderung das Härteste an der Route. Wenn ich körperlich auch nur leicht nachgelassen habe, konnte ich bestimmte Züge nicht mehr machen. Wenn ein wenig Fingerkraft gefehlt hat, konnte ich die Griffe nicht halten. Und wenn die Ausdauer nicht da war, war es unmöglich, die einzelnen Sektionen miteinander zu verbinden. Dazu kommt ein so intensiver Rhythmus, dass man sich wirklich keinen einzigen Fehler erlauben kann,

erklärt Jorge Díaz-Rullo.

Warum Díaz-Rullo 9c vorschlägt

Nach intensiver Analyse der Route und im Vergleich mit seinen bisherigen Begehungen auf höchstem Niveau schlägt Díaz-Rullo für Café Colombia den Grad 9c vor. Gleichzeitig betont er, dass sich die Route für ihn sogar noch schwerer angefühlt habe – belastbare Vergleichswerte dafür gebe es bislang jedoch nicht.

Die Route ist extrem und hat mich in eine Belastung gebracht, die ich so noch nie erlebt hatte. Nichts, was ich mit den 9b- oder 9b+-Routen vergleichen würde, die ich bisher geklettert habe. Ich habe das Gefühl, dass sie sogar über 9c hinausgehen könnte, aber mir fehlen dafür Vergleichswerte. Deshalb halte ich 9c für den sinnvollsten und ehrlichsten Vorschlag. Alles Weitere wird man mit zukünftigen Wiederholungen sehen.

sagt Jorge Díaz-Rullo

Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr: Díaz-Rullo hat bereits mehr als 90 Routen im 9. französischen Grad geklettert, darunter 10 Routen im Bereich 9b bis 9b+.

Margalef bleibt ein Hotspot der Extremkletterei

Mit Café Colombia(9c) bekommt Margalef eine weitere Route, die international für Aufmerksamkeit sorgt. Die katalanische Felsregion zählt seit Jahren zu den wichtigsten Gebieten im High-End-Sportklettern.

Ob sich der vorgeschlagene Grad 9c bestätigt, werden erst mögliche Wiederholungen zeigen. Unabhängig davon steht schon jetzt fest: Mit der Erstbegehung von Café Colombia hat Jorge Díaz-Rullo eine Linie eröffnet, die zu den aktuell schwersten Neutouren zählt.

  • Credits Text kletterszene.com
  • Credits Fotos Scarpa/
  • Beitragsdatum 23. März 2026