Boulder Weltcup 2011 in München [Abschlussbericht, Ergebnisse, Fotos & Video]

Okay, auch wenn es mich zwei Mark ins Phrasenschwein kostet, aber: Es ging heiß her am zuschauerWochenende im Olympiapark. Abgesehen von dem Damen-Battle, den extremen Temperaturen, waren halt auch noch etwa 6000 Zuschauer da, die ordentlich für Stimmung sorgten. Schon sehr beeindruckend, wenn diesen 6000 Kehlen ein ehrfürchtiges „Oooooooh“ entfleucht, weil sich  Sharafutdinovs Beine, nach einem spektakulären Dyno, oberhalb der Wettkampfwand befanden.

Grandiose Vorstellung der Russen im Finale

Diesmal fangen wir bei den Männern an, grundsätzlich ging es da ja — den Gesamtsieg betreffend — um „nichts“ mehr. Kilian Fischhuber konnte relativ unbesorgt in den Wettkampf spazieren, stand er doch bereits bei den anderen neun Stationen des Weltcups, fünfmal auf dem Stockerl, davon viermal mit Gold. Ihm war der Sieg nicht mehr zu nehmen und so hatten die Russen und die restlichen Osteuropäer schonmal gute Chancen auf den Tagessieg, aber das gleich drei Russen zum Schluß Platz 1 — 3 belegen, war so nicht zu erwarten. Selbst wenn Kilian nur auf 90% lief, was Dmitry Sharafutdinov, Rustam Gelmanov und Alexey Rubtsov da ablieferten, sah, wenn man die ungünstigen äußeren Bedingungen beachtete, irgendwie richtig leicht aus. Dmitry konnte alle vier Probleme flashen, Rustam benötigte ein paar Versuche mehr und für Platz Drei reichten Alexey schon zwei Topbegehungen.

Kampf um Platz 1 Gesamtsieg bei den Damen — Jule gewinnt Silber in der Tageswertung

minna2Anders als bei den Herren ging es beim Gesamtsieg der Damen hoch her. So trennten die beiden Führenden — Anna Stöhr und Akiyo Noguchi — nur wenige Punkte. Ähnlich wie im letzten Jahr sollte sich alles beim Finale in München entscheiden. Akiyo konnte aber diesmal ihre Leistung nicht komplett abrufen und Anna Stöhr bewies Stärke, und sicherte sich somit ihren zweiten Weltcupgesamtsieg. Die Finalboulder verlangten den Mädels alles ab. Und so kam es dann auch, dass jede der sechs Finalteilnehmerinnen mit mindestens einem Boulder ein „technisches“ Problem hatte.  Daß (fast) alle Finalboulder kletterbar waren, bewiesen die Mädels. So bekam jedes der geschraubten Robleme mindestens ein Topbegehungen, lediglich Nummer 3 war wegen eines extrem schlechten Tritts für die Mädels nicht schaffbar.  Aus unserer Sicht (Zuschauer, räusper „Fachpresse“) hat die Kletterin mit dem größten Repertoire diesmal gewonnen.  Deswegen gilt auch ein Lob an die Routenschrauber (Serik Kazbekov, Tondé Katiyo, Maxi Klaus, Manu Brunn, Robert Heinrich), die auch bei den Männern ein tolles Finale schraubten.

Die Sonne brannte über beide Tage volle Kanne auf die Volumen und einen Kantenboulder, so war die Haut im Finale bei den meisten Startern und Starterinnenjule-und-kilian-boulder-4 eher bescheiden und somit ein weitere Faktor, ob man den Griff festhalten konnte oder nicht. So war es auch dann kein Wunder, dass Jule nach dem Losspringen am letzten Boulder die Finger geblutet haben und sie wohl keinen weiteren Versuch gehabt hätte, der zum Erfolg geführt hätte. Hätte, hätte, Fahradkette…

Jule konnte den letzten Boulder als Einzige flashen (konnte sie nicht, geschafft hat sie ihn trotzdem) und sich somit — zur Überraschung aller, die das Wochenende verfolgt hatten — auf den zweiten Platz klettern, Anna Stöhr, die ihr diesen Platz noch hätte streitig machen können, scheiterte. Den Tagessieg entschied Mina Markovic aus Slowenien für sich.  Die starke Japanerin Akiyo Noguchi  muss noch deutlich an ihrer Sprungtechnik arbeiten, das hat sie nicht nur den Tagessieg, sondern auch den Weltcupgesamtsieg gekostet.  Für Anna Stöhr war es aber auch kein leichter Abend: Stellt euch mal vor, es trennen euch nur wenige Punkte zur Konkurrentin und bei Boulder Nummer Vier bist du wegen einem Versuch weniger vorne. Oida, den Druck möcht‘  ich nicht haben — letztes Jahr war die Japanerin die Nervenstärkere und diesmal: Anna hat den Weltcup gewonnen und mit der Leistung über das ganze Jahr auch zurecht.

Ergebnisse Damen München

1 Markovic Mina 1987 SLO
2 Wurm Juliane 1990 GER
3 Stöhr Anna 1988 AUT
4 Coxsey Shauna 1993 GBR
5 Chereshneva Yana 1989 RUS
6 Noguchi Akiyo 1989 JPN
7 Sandoz Mélanie 1987 FRA
8 DUFRAISSE Alizée 1987 FRA
8 Puccio Alex 1989 USA
10 Gallyamova Anna 1986 RUS
11 Bacher Sabine 1984 AUT

16 Winter Julia 1986 GER

21 Schützenberg. Sarah 1994 GER

25 Retschy Monika 1991 GER

28 Leiner Isabell 1993 GER

30 Hönig Afra 1995 GER


32 Sanders Courtney 1988 USA

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Ergebnisse Herren München

1 Sharafutdinov Dmitry 1986 RUS
2 Gelmanov Rustam 1987 RUS
3 Rubtsov Alexey 1988 RUS
4 Becan Klemen 1982 SLO
5 Shalagin Mykhaylo 1982 UKR
6 Fischhuber Kilian 1983 AUT
7 Hori Tsukuru 1989 JPN
8 Preti Lucas 1983 ITA
9 de Leeuw Nicky 1989 NED
10 Hojer Jan 1992 GER

13 Woods Daniel 1989 USA
14 Glairon Mondet Guillaume 1986 FRA
15 Baumann Jonas 1986 GER

19 McColl Sean 1987 CAN
20 Conrad Mathias 1989 GER

23 Webb-Parsons Christopher 1985 AUS
27 Danker Stefan 1988 GER
27 Ennemoser Lukas 1989 AUT

35 Würth Peter 1984 GER

47 Adolph Samuel 1994 GER
47 SETO Keita 1985 JPN
49 Merz Aric 1983 GER

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Ergebnisse Damen Gesamt 2011

  1. Anna Stöhr (AUT)
  2. Akiyo Noguchi (JPN)
  3. Alex Puccio (USA)
  4. Melissa Le Neve (FRA)
  5. Mina Markovic (SLO)
  6. Juliane Wurm (GER)
  7. Jain Kim (KOR)
  8. Alex Johnson (USA)

Ergebnisse Herren Gesamt

  1. Kilian Fischhuber (AUT)
  2. Dmitry Sharafutdinov (RUS)
  3. Guillaume Glairon Mondet (FRA)
  4. Tsukuru Hori (JPN)
  5. Alexey Rubstov (RUS)
  6. Rustam Gelmanov (RUS)
  7. Klemen Becan (SLO)
  8. Loic Gaidioz (FRA)

Text: kletterszene.com / Ergebnisse: IFSC / Fotos: Kletterszene Videos: You Tube

Kommentare

  1. Christoph | | Antworten

    Jule hat den letzten nciht geflasht. Da hat jemand falsch abgeschrieben ;-)

    –>
    http://www.ifsc-climbing.org/index.php?page_name=resultservice&comp=1325&cat=ICC_FB

  2. ese | | Antworten

    Mist, da war ich mir nimmer sicher. Das war der mißglückte Griffwechsel oben? Wenn sowas mal weniger spannend wäre, würde ich ja sogar mitschreiben…

  3. Tommi | | Antworten

    bei wem darf ich mich denn über das völlig verschraubte Halbfinale beschweren? Nicht nur, dass es für die Zuschauer total langweilig ist, wenn die Boulder nicht geklettert werden und auch die meisten Zonen für die Hälfte der Starter unerreichbar sind. Es muss auch für die Athleten frustrierend sein, um die halbe Welt zu reisen, um in München dann den Hintern nicht von der Matte zu bekommen.

    Und das Argument mit der Selektion kann ich nicht gelten lassen, wenn man sich anschaut, dass bei den Damen im Halbfinale Platz 7 bis 12 und dann nochmal Platz 15 bis 20 die gleiche Punktzahl hatten. Hinzu kommt, dass eine Selektion auch möglich ist, wenn alle Boulder geflasht werden, wie im Männerfinale zu sehen war. (Das fand ich übrigens gut geschraubt)

  4. Olli | | Antworten

    Stimmt, das Halbfinale war einfach nur grotte geschraubt. Da hilft auch kein Verweis auf die Saunabedingungen.

    Ich würde mal gerne wissen, ob der 3. Damenfinalboulder bei der Körpergröße der Finaldamen überhaupt kletterbar war. Da war die Zone für das eh unkletterbare Ding auch denkbar bescheuert (und von allen unerreicht).

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