Berührungsängste vor dem „Anderssein“ in der Kletterhalle abbauen [INKlettern]

 Eigentlich das „normalste“ der Welt, trotzdem immer noch alles andere als selbstverständlich: Beim Projekt „INKLettern“ der Österreichischen Alpenvereinsjugend klettern Menschen mit und ohne körperlicher oder mentaler Behinderung zusammen. Ziel dieses mit dem Inklusionspreis ausgezeichneten Projektes: Menschen zueinander zu führen, Akzeptanz untereinander aufzubauen und gleichzeitig Berührungsängste abzubauen. Derzeit ist „INKlettern“ auf Tour durch zahlreiche Kletterhallen in Österreich: Rund 100 Teilnehmer waren letzten Freitag in Klagenfurt dabei – Tourstopps in Graz , Innsbruck und Wien folgen.

INklettern" in Klagenfurt

„In der Kletterhalle kommen die Leut zam.“ So oder so ähnlich heißt es im Volksmund. Die Verantwortlichen des Projektes „INKlettern“ des Österreichischen Alpenvereins haben diese Redensart etwas erweitert: „In der Kletterhalle kommen die Leut mit und ohne körperlicher oder mentaler Behinderung zam.“ Denn nach diesem Motto trafen sich zahlreiche Kletterbegeisterte – und die, die es noch werden wollen – am Freitag, den 6. März, in der Kletterhalle „Boulderama“ in Klagenfurt.

Das für manche immer noch Ungewöhnliche dabei: Die Kletterer kamen auf zwei Beinen, mit Gehhilfen, ihren Assistenten oder im Rollstuhl.

„Beim INKlettern werden Hindernisse und Barrieren überwunden, und das im wahrsten Sinne des Wortes“, erklärt Projektinitiator Florian Kohlberger-Hack, der mit dem Projekt gemeinsam mit der Alpenvereinsjugend 2018 in Graz startete. „Wir wollen beim Sportklettern Teilnehmer ein Stück weit von ihren Ängsten vor dem ‚Anderssein‘ befreien. Vorurteile sollen in der Kletterhalle abgebaut, Akzeptanz und Selbstbewusstsein gestärkt werden. Und der Spaß soll dabei natürlich auch nicht zu kurz kommen“. Bei solchen Klettertreffs handelt es sich laut Kohlberger-Hack aber nicht um Kletterkurse. „Jeder soll vom anderen lernen – klassische Kletterlehrer gibt es in dem Sinn keinen,“ betont er. Klettererfahrungen sind aber dennoch nicht notwendig. „Geleitet werden die Treffen selbstverständlich von ausgebildeten Mentoren mit Klettererfahrung. Diese werden vom Paraclimbing Nationalteam unterstützt.“

Inklusiver Zugang zum Klettersport

Dass das Projekt Beziehungen fördern kann und dabei gut angenommen wird, zeigte auch der Tourstopp in Klagenfurt: Rund 100 Teilnehmer – darunter auch Kärntens Landessportdirektor Arno Arthofer, Klagenfurts Vizebürgermeister Jürgen Pfeiler und Athleten des Paraclimbing Nationalteams – waren am 6. März im „Boulderama“ vor Ort.

INklettern" in Klagenfurt: Paraclimbing

Sandra Pollak, Alpinpädagogin und Leiterin des Inklusionsteams der Alpenvereinsjugend Klagenfurt hat sich federführend um die Organisation in Klagenfurt gekümmert. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie wichtig Bewegung und Sport für alle Menschen und erst recht für jene mit Behinderung ist. „Mir persönlich hilft der Klettersport um meine Alltagsmuskulatur zu erhalten. Klettern ist für mich

aber nicht nur Therapie, sondern auch eine sportliche Herausforderung, die ich mit Leidenschaft betreibe. Die Freude, die eigenen Grenzen immer wieder zu erweitern, gibt mir Kraft und hilft mir über schwierige Zeiten in meinem Leben mit Multiple Sklerose hinweg“, erklärt Pollak. Als erfolgreiche Paraathletin sehe sie es als ihre soziale Verantwortung an, ihre Erfahrungen und ihr Glück weiter zu geben. „Ich engagiere mich nun seit sieben Jahren ehrenamtlich im Alpenverein Klagenfurt und organisiere u.a. inklusive Kletterkurse. Es freut mich daher sehr, dass es auch heuer wieder gelungen ist, die INKletter-Tour nach Kärnten zu holen und dadurch möglichst vielen Menschen einen inklusiven Zugang zum Klettersport ermöglichen zu können.“

INKlettern auf Tour – kommende Termine:

Keine Anmeldung nötig.

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