Auf eine Tasse Kaffee mit Ines Dull

Jeder und jede, der Mitglied im internationalen Club der „Ich-bin-für-diesen-Zug-zu-klein-Heuler“ ist, sollte sich in einer ruhigen Minute mal ein Beispiel an Ines Dull nehmen. Ines erblickte 1991 im schönen Allgäu das Licht der Welt. Mit elf Jahren war sie stolze 111 Zentimeter groß und stieg in das Wettkampfklettern ein. Bereits ein Jahr später war sie Bayrische Meisterin in ihrer Klasse und gewann ihren ersten Deutschland-Cup. 2007 wurde sie Vize-Europacup-Meisterin und kletterte ins Finale der Jugend-Weltmeisterschaft in Equador. Ihr persönlicher Spezialtitel jedoch ist der der Deutschen Vizemeisterin :) Wie auch immer: Ines kann klettern, drinnen und draußen. Und ihr Wissen vermittelt sie nun im Auftrag des Bergsportfachverbands Bayern als Trainerin des Bayernkaders an zukünftige Olympia-Aspiranten. Höchste Zeit für einen schnellen Kaffee im Nürnberger E4. Ines ist dort mit ihrem Kader für eine Wettkampfsimulation. Die Zeit läuft und man merkt sofort: Wir sind hier nicht beim Kaffeekränzchen.

Ines Dull Interview Kletterszene

Hannes: Wer ist Ines Dull?

Ines: Gute Frage, nächste Frage.

Hannes: Wie trinkst Du am liebsten Deinen Kaffee?

Ines: Großer Cappucino. Kleine Frau braucht großen Kaffee.

Wie oft bist Du nicht Deutsche Meisterin geworden?

Zu oft (lacht sich schlapp). Ich hab die Zeiten verdrängt, als ich wohl ein Abo auf den zweiten Platz hatte.

Ist zu-klein-sein eine Entschuldigung, wenn man irgendwo nicht hochkommt?

Nee. Man braucht nur andere Lösungen und mehr Bizeps.

Wie groß bist Du nochmal?

Einmeterfünfzig. Und ich hab eine Armspannweite von minus acht Zentimetern.

Ines Dull Kletterszene Hannes Huch

Von acht ?!

Minus!

Krasse Scheiße, wow. Was muß ein Jugendlicher mitbringen, um Teil des Bayernkaders zu sein?

Erstmal Talent. Und dann muß aus dem Talent ein trainierendes Talent werden. Und dann wiederum ein sich selber verstehendes Talent.

Schöne Antwort. Was machst Du eigentlich als Trainerin des Bayernkaders? Was ist Dein Ziel? Warum gibt es Dich?

Konkret trainiere ich zwei mal die Woche in unserem Landes-Leistungszentrum in Augsburg mit den Kids. Wenn am Wochenende kein Wettkampf ist, gibt’s dann auch nochmal ein Trainingslager samstags und sonntags. Das sind meine Hauptaufgaben. Also das Training zu koordinieren und Pläne zu schreiben. Und dann koordinier‘ ich noch in dem Leistungszentrum den Routenbau, der speziell auf den Wettkampf ausgerichtet ist, sei es für Lead oder fürs Bouldern. Also buche ich extra Routenbauer, die wettkampfgerecht schrauben können. 

Und können Dich die Athleten 24/7 anrufen oder wie ist das geregelt?

Das machen sie auch und das ist auch ok! Naja, ich denk ja 24/7 über sie nach, also können sie mich auch genauso oft anrufen. Das bringt das Trainerdasein halt mit sich.

Ines Dull Trainierin Interview Kletterszene

Wie erreichst Du Deine Ziele? Steckt eine bestimmte Philosophie dahinter?

Erfolge sind wie Träume – sie sind einfach unendlich! Bescheidenheit und akribisches Arbeiten macht irgendwann den Unterschied.

Was reizt Dich eigentlich an der ganzen Geschichte?

Zum einen ist es einfach etwas, was ich selber früher vermißt habe. Dass ich wirklich so einen Trainer hatte, der mich in der Art begleitet hat. Deswegen möcht ich’s gern anders machen. Und zum anderen reizt es mich, weil es jeden Tag etwas Neues ist und es auch genial ist, die Athleten wachsen und stark werden zu sehen. Und dann mitzuerleben, was sie erreichen können oder erreicht haben. 

Spürst Du auch auf Landesebene, dass wir auf der Road to Tokyo sind?

Road to Paris – ja. Für die Road to Tokyo sind meine noch zu jung. Verbandstechnisch gibt’s mehr Geld, es ist jedoch auch sehr schwer zu ergattern. Ich glaube, dass sich der Spirit bei den Kletterern ändert. Früher ist man einfach nur klettern gegangen, jetzt aber ist man bereit zu trainieren. Olympia erhöht einfach die Bereitschaft alles zu geben. Dadurch, dass die Sportart an sich mehr Anerkennung bekommt, wird sie auch mehr wertgeschätzt. 

Wie ist Deine Speedzeit?

Also wenn ich’s unter ’nem Kaffee hochschaffe, ist es gut.

Hättest Du in Deiner aktiven Zeit Lust gehabt für Combined zu trainieren?

Tatsächlich ist Lead meine Hauptdisziplin, da fühl ich mich am wohlsten. Ich finde aber Speed total geil und es soll nicht so klingen, als wäre ich noch nie in einer Speedtour gewesen. Ich feier das tatsächlich, denn Du kannst da richtig Gas geben und Frust ablassen. Ja, ich mach’s immer mal wieder. Aber keiner darf meine Speedzeit wissen!

Dem Wettkampfklettern an sich hätte meiner Meinung nach nichts besseres passieren können. Grad bis Jugend A ist dieser Triathlon ideal, um uns vor Drop-Outs zu bewahren, denn so macht man eben nicht nur genau eine Sache. Es ist ein Geschenk, in einer Sportart drei Disziplinen trainieren zu können und so Abwechslung in den Alltag bringen zu können. Und deswegen bleibt’s immer spannend! 

Deine finale Message für die Kletterszene Leserinnen und Leser?

Gib Gas – hab Spaß!

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