Arco: Alessandro Zeni wiederholt Niobe (9a) in Arco

Der italienische Kletterer Alessandro (Ale) Zeni hat in Arco eine der härtesten Platten der Welt wiederholt.

Lange hatte Plattenklettern den Ruf, zu unspektakulär zu sein. Nicht publikums­tauglich. Kommen die Beine im Dyno – stark! In der Platte – ihr seht es vor euch … muss nicht näher beschrieben werden.
Alles kommt wieder – das mögliche Revival des Plattenkletterns verpasst das der Lycra-Leggins und des Fokuhila + Schnauzer womöglich nur knapp.
Plattenschleichen – in der Klettercommunity der 80er konnte man damit noch punkten. Der Name kommt nicht von ungefähr: Mit zügigem Ballern und Pogo kommt man hier selten weit.

Doch der 34-jährige Ale Zeni, aufgewachsen am Fuße der Palagruppe in einer Künstlerfamilie, hat offenbar was übrig fürs Kleinteilige, für Details und Präzision. Am 5. Februar 2026 vermeldet er via Instagram seine Wiederholung der 9a-Platte „Niobe“.
Auch wenn die Mikrobewegungen beim Plattenklettern bisweilen von außen eher unspektakulär wirken, schenken sie sich in Sachen Ausdaueranforderungen wenig im Vergleich mit überhängenden Routen.

Eine ununterbrochene Anstrengung, die keinen Raum zum Abschalten lässt.

Ale Zeni – Instagram


Erstbegeher dieses Kunstwerks ist Adam Ondra, eigentlich weniger bekannt dafür, besonders leise oder besonders häufig in Wänden mit einer Neigung von mehr als 40 Grad unterwegs zu sein. „Ziemlich witzig, dass man eine 9a findet, die 5 Grad geneigt und plattig ist“, kommentiert er die Wandstruktur, in der sich Niobe (9a) befindet. 
Nachdem er nun schon die härteste Sportkletterroute der Welt geklettert hat und auch in vielen anderen Spielarten des Kletterns beinahe nur noch sich selbst übertreffen könnte, war es also die härteste Platte, die seine „Best-of-Tickliste“ bereichern sollte.

Ich war immer der Meinung, dass man die Vergangenheit kennen muss, wenn man etwas Neues, etwas Radikales schaffen will, das die Grenzen des Sports wirklich erweitert.

Adam Ondra

Der Name der Route blieb derselbe, den ihr bereits ihr Entdecker und Erschließer Loris Manzana gegeben hatte: „Niobe“, die Gemahlin eines Königs aus der griechischen Mythologie, die für ihre Überheblichkeit mit dem Tod ihrer Nachkommen bestraft wurde und aus Schmerz darüber zu Stein erstarrte, der nicht aufhören konnte, Tränen zu vergießen.
Unter anderem die zum Mythos passenden Wasserrillen machen die Begehung der 40-Meter-Plattenkletterei überhaupt erst möglich und wer Plattenkletterei mit Überheblichkeit begegnet, wird sehr wahrscheinlich mit einer – im wahrsten Sinne des Wortes – ordentlichen Abreibung bestraft.

Ale Zeni ist nach Adam Ondra und Gianluca Vighetti nun der Dritte, dem eine Begehung der 40-Meter-Plattenkletterei gelungen ist.
Schon als der damals 16-Jährige 2007 aus Spaß mit ein paar Freunden zu klettern angefangen hatte, war die Plattenkletterei sein Lieblingsstil. Fingerkraft, Technik, Feinarbeit. Auch das Fußausschütteln will geübt sein. 2012 gelangen ihm einige Routen im Schwierigkeitsgrad 8c, 2014 machte er seine Freizeitbeschäftigung zum Beruf und wurde Profikletterer für das italienische Militärteam. Nach einigen Jahren im Wettkampfzirkus, in denen er auch einige sehr gute Platzierungen in Weltcups hinlegte, entschied sich Ale, den Wettkampfsport zu verlassen und sich voll und ganz dem Felsklettern zu widmen.

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Video-Link: https://youtu.be/fnkPyHx92_E?si=YyyumV4fYAJ3YID6
  • Credits Text Hanna Rexer f. kletterszene.com
  • Credits Fotos Enrico Veronese
  • Beitragsdatum 12. Februar 2026