Erste Wintertrilogie am Piz Palü: Philipp Brugger & Lukas Waldner meistern die drei Nordpfeiler an einem Tag
Dem Alpin-Duo Philipp Brugger und Lukas Waldner gelang kürzlich eine außergewöhnliche Leistung: die erste Winterbegehung aller drei Nordpfeiler des Schweizer Piz Palü an nur einem Tag.
8 Stunden und 59 Minuten brauchten Brugger und Waldner insgesamt vom Start- bis zum Zielpunkt – inklusive 6 Stunden und 25 Minuten reiner Kletterzeit. Dabei kletterten sie alle drei Nordpfeiler des Piz Palü (3.899 m): Ostpfeiler, Bumillerpfeiler und Spinaspfeiler. Diese wurden zwar bereits im Sommer kombiniert, aber eine Wintertrilogie an nur einem Tag war bislang noch keiner Seilschaft gelungen.
Eine außergewöhnliche Herausforderung im kombinierten Gelände

Der Piz Palü liegt im Grenzgebiet zwischen dem Schweizer Kanton Graubünden und der italienischen Provinz Sondrio. Mit seinen drei Gipfeln und den drei symmetrisch angeordneten Nordwandpfeilern zählt er zu den formschönsten und bekanntesten Bergen der Alpen.
Während die einzelnen Pfeiler im Sommer regelmäßig begangen werden, sind Winterbegehungen an den Nordwandpfeilern extrem anspruchsvoll – und deswegen auch so selten.
Selbst bei idealem Wetter bleibt das Klettern mit Steigeisen auf Eis- und Felsstrukturen im Winter fordernd. Schnee muss von Griffen geputzt werden und bei den niedrigen Temperaturen verlangt jede Bewegung Präzision und Teamarbeit.
Alle drei Pfeiler an einem Tag im Winter zu klettern, war eine gewaltige Herausforderung – die Tage sind kurz und die Bedingungen im Fels und Eis komplett anders als im Sommer.
Lukas Waldner
Perfekte Planung, eingespielte Seilschaft

Entscheidend für den Erfolg waren die präzise Vorbereitung und die gemeinsame Erfahrung der beiden Alpinisten. Philipp Brugger und Lukas Waldner klettern seit vielen Jahren als Seilschaft: Zusammen gelang ihnen die Erstbesteigung des Shauè Sar (6.653 m) im Karakorum (2022), die schnellste Winterbegehung der Bonatti-Route in der Matterhorn-Nordwand (2024) sowie die erste Valsertal-Nordwand-Trilogie im April 2025.
Damit kannten sich die beiden Seilpartner sehr gut – und konnten ihre bisherigen Erfahrungen nutzen, um ihre Chancen am Piz Palü einzuschätzen.
Wir wussten genau, was möglich ist. Wenn du die Eiger-Nordwand im Winter in vier Stunden klettern kannst oder die Bonatti-Route am Matterhorn an einem Tag, dann kannst du sehr realistisch einschätzen, was am Palü geht.
Philipp Brugger
Diese Selbsteinschätzung, gepaart mit einer eingespielten Seilschaft, ermöglichte einen flüssigen Ablauf – „ohne Stress und Zeitdruck“, sagt Lukas Waldner.
Wir sind einfach unser Tempo gegangen – nie überhastet, aber konstant zügig. Es lief einfach alles perfekt. Keine mentalen Tiefs, kein Zögern. Einfach ein großartiger Tag am Berg.
Lukas Waldner
Ein Tag für die Alpingeschichte
Die Bedingungen an diesem Tag waren für das Vorhaben der beiden optimal – zumindest für Winterverhältnisse: wenig Neuschnee, kaum Wind, stabile Verhältnisse an den Pfeilern und sichere Abstiege. „Wir mussten unterwegs keine Entscheidungen umplanen, es passte einfach alles,“ erinnert sich Waldner.
Und was bleibt? „Neben den vielen dummen Kommentaren unterwegs natürlich das Gipfelgefühl bei jedem Pfeiler – jedes Mal ein kleiner Meilenstein,“ lacht Philipp Brugger.
Routendaten:
- Gebiet: Piz Palü, Berninagruppe (Schweiz)
- Route: Bumillerpfeiler (900 m, V+, M6) – Ostpfeiler (600 m, V, M5) – Spinaspfeiler (700 m, M3)
- Höhenmeter: 2.500 Höhenmeter (davon 2.200 Klettermeter)
- Gesamtzeit: 8 h 59 min (reine Kletterzeit: 6h 25min)
- Abstieg: Normalweg des Piz Palü zu Fuß
- Besonderheit: Erste Winterbegehung aller drei Nordwandpfeiler des Piz Palü an einem Tag







