Alberto Ginés Lopez klettert El Bon Combat (9b)
Bevor im Mai die Weltcup-Saison startet, gönnt sich Olympiasieger (2021) Alberto Ginés Lopez noch ein paar entspannte Tage am Fels. Mit der erfolgreichen Begehung von El Bon Combat (9b) konnte er nun eines seiner Projekte, das er im Dezember zu bouldern begann, abhaken.
Der 23‑jährige Spanier gehört seit fast fünf Jahren fest zum Inventar der Lead‑Weltcup‑Finals. Seine Eintrittskarte in den berühmten 9a‑Club löste er schon im zarten Alter von 15 Jahren (März 2018) mit der Wiederholung von Víctimes del Futur (9a) in Margalef.

Kaum war die Route erledigt, visierte Alberto mit The Full Journey (9b) gleich den nächsten Grad an – und machte schnell klar, dass die 9b‑Liga vor ihm nicht sicher ist. Dann kamen Olympia, Weltcup-Erfolge … und die 9b‑Projekte mussten erstmal warten. Schade, aber nachvollziehbar.
Ganz ohne Fels ging’s aber natürlich nicht. Mit Open Your Mind Direct und Selecció Natural in Santa Linya machte Alberto deutlich, dass er draußen noch ordentlich was draufhat – zwei mal 9a an einem Tag wohlgemerkt. Doch irgendwann juckt’s dann wieder in den Fingern, etwas Härteres anzugehen. Diesmal fiel die Wahl auf El Bon Combat.
Ich habe mich für El Bon Combat entschieden, weil es in der Nähe ist. Ich hatte auch Stoking the Fire (9b) in Santa Linya ausprobiert, aber ehrlich gesagt war ich etwas zu faul, um dorthin zu fahren. Außerdem wollte ich die Route schon lange ausprobieren – und hatte nur Gutes gehört.
erzählt Alberto den Kolleg*innen von Wogu
Zähe Bedingungen
Die Saison in Spanien meinte es dieses Jahr nicht so gut mit den Felskletter*innen. Schon im Dezember sorgten Kälte und kaum Sonnenstunden für eine eher überschaubare Zahl an Klettertagen. Kurzzeitig zeigte sich im Januar ein kleines Schönwetterfenster – ideal, um Motivation zu tanken –, bevor eine längere Regenperiode die geplanten Outdooraktivitäten bis Mitte Februar wieder ausbremste.
Alberto ließ sich davon aber nicht stoppen und nutzte die wenigen trockenen Tage effizient:
Ich habe die Route vor zwei Wochen geklettert. Das Wetter war nicht gerade ideal, um daran zu arbeiten. Die ersten beiden Einheiten hatte ich Anfang Dezember, als meine Eltern mich zu den Feiertagen besuchten. Danach konnte ich erst Mitte Februar zurückkommen – die Wand war einfach ständig nass. Ab da waren’s noch drei Sessions, bis ich sie geschafft hatte,
erzählte Alberto den Kollegen von Wogu.
Der Grad und die Route
El Bon Combat zieht als rund 25 Meter lange, kräftig überhängende Linie durch die Cova de l’Ocell bei Sant Martí de Centelles. Eingebohrt wurde sie von Martí Iglesias, richtig bekannt wurde sie aber, als sich Chris Sharma der Route annahm. Laut Sharma besteht die Hauptschwierigkeit weniger aus einem einzelnen Cruxzug, sondern vielmehr aus einer Aneinanderreihung mehrerer 8A‑Boulderstellen – schlechte Rastpunkte inklusive.
Im März 2015 holte sich Chris die Erstbegehung und schlug damals 9b/+ vor. Jakob Schubert, der die Route im Dezember 2018 als erster wiederholte, empfand sie eher als harte 9a+. Felipe Camargo und Jorge Díaz‑Rullo sahen das wieder etwas anders und stuften sie zurück auf „doch eher 9b“.
Alberto ist nun der fünfte Kletterer, dem El Bon Combat gelingt.
Auch wenn es die erste Route ist, die ich über 9a klettere, kann ich nicht sagen, dass es meine erste 9b ist. Ich habe nicht das Gefühl, zwei Stufen über 9a zu klettern, und da sie ohnehin schon herabgestuft wurde, halte ich 9a+ für den ehrlichsten Grad. Wie mein größtes Vorbild mir einmal gesagt hat: Der Schwierigkeitsgrad funktioniert nur, wenn wir ehrlich sind.
so Alberto
Video-Link: https://youtu.be/vk4YrOtVTLg?si=5S7JS5vX-PXtQNSh