Afra Hönig und Yannick Flohé gewinnen die Deutsche Boulder Meisterschaft 2021

Auch wenn sich die Speed-Disziplin bei den jungen Talenten immer weiter durchsetzt, die Paradedisziplin in der deutschen Kletterlandschaft ist immer noch das Bouldern. Es versprach eine unglaublich spannende Deutsche Boulder Meisterschaft zu werden: Insgesamt waren 84 Starterinnen und Starter für den Wettkampf in Bochum gemeldet.

Qualifikation:

Mit fünf Tops von fünf zogen Alma Bestvater, Afra Hönig und Roxana Wienand souverän in die Runde der besten 20 ein. Auf Platz vier boulderte sich Florence Grünewald, die Vizemeisterin von 2020, die alle Bouldern bis auf einen sogar flashen konnte. Den siebten Rang belegt derzeit die Titelverteidigerin und Mitfavoritin Hannah Meul.

Mit der erst 15-jährigen Anna Maria Apel, Sandra Hopfensitz und Franziska Ritter standen auch drei Speed-Spezialistinnen im Halbfinale.

In der Herren-Quali hatten es die 44 Starter mit komplexen, teils ausdauernden, aber generell eher lösbaren Problemen zu tun. Der Plan der Routenbauer um Chefschrauber Luke Brady ging aber insgesamt auf: Nur zwei Männer, Yannick Flohé und Jan Hojer, konnten alle Boulder klettern.

Halbfinale:

Die Deutsche Meisterschaft im Bouldern ist soeben zu Ende gegangen: Die neuen Champions heißen Afra Hönig  und Yannick Flohé .

Nach den ersten zehn Starterinnen lag Franziska Ritter noch in Führung. Im Laufe der Zeit rutschte ihre Position aber immer weiter nach unten, bis auf Platz 10. Der Grund: Im letzten Boulder fehlte ihr eine Zone. Um in die Runde der besten Sechs einzuziehen, benötigte man mindestens vier Zonen und zwei Tops, dies schafften immerhin acht Athletinnen. Wer jetzt rechnet, merkt: Für eine Auswahl der Besten mussten die Versuche für Tops und Zonen miteinbezogen werden. drei Top-Versuche und 13 Zonen-Versuche hatte die am Ende sechsplatzierte, Leonie Lochner auf ihrem Konto stehen. Mit 8 Zonen-Versuchen landete Afra Hönig auf der fünf und mit zwei Flashs und sieben Zonen-Versuchen Anna Lechner auf dem vorrübergehenden vierten Platz. Die Top-3 belegten die Favoritinnen Roxana Wienand, die als einzige drei Boulder toppen konnte, Alma Bestvater und Titelverteidigerin Hannah Meul.

Bereits im Herren Halbfinale lieferten Jan Hojer und Yannick Flohé eine tolle Show ab: Yannick flashte als Einziger drei Boulder, Boulder Nummer vier sah nichtmal eine Zonen-Begehung. Jan landete auf Platz zwei mit zwei Flashs und insgesamt drei Tops. Ebenfalls ins Finale kamen: Stefan Schmieg, Lassen von Freier, Christoph Schweiger und Max Kleesattel. Bis auf Max kletterten alle Finalisten die ersten drei Boulder bis zum Top, Max auf Platz sechs reichten zwei Flashs und eine Zonen-Wertung.

Für Titelverteidiger Philipp Martin lief es diesmal nicht so gut, er beendete seinen Wettkampf auf Platz 18.

Finale:

Im Finale der Damen blieb alles offen und das bis ganz zuletzt – genauer gesagt entschied sich alles erst im letzten Boulder. Die bis dato amtierende Deutsche Meisterin Hannah Meul setzte sich zwar in den ersten beiden Bouldern mit zwei Flashs früh in Führung, dabei sollte es allerdings nicht lange bleiben. Am Ende war es Afra Hönig, die der Führenden keine Zeit zum Durchatmen ließ: Mit dem dritten Boulder machte sie kurzen Prozess und legte im letzten Boulder mit der Nummer vier dann vor. Meul trennte nur noch die Zone vom Sieg – diese ließ sie allerdings liegen, was sie zu guter Letzt auf Platz zwei beförderte. Auch Roxana Wienand hätte das Rennen noch für sich entscheiden können, dafür hätte sie das Top des letzten Boulders in unter zwei Versuchen klettern müssen. Das gelang der jungen Athletin aber nicht und sie landete damit hinter einer überraschend starken Anna Lechner auf Platz 4. Die neue Deutsche Meisterin: Afra Hönig

Es war eine Top-Veranstaltung im Rahmen der Finals und der Ruhr Games. Schade, dass nur wenig Publikum bei der Veranstaltung zugelassen war, trotzdem hat alles super geklappt. Es war wirklich bis zum Schluss spannend. Ich freue mich natürlich riesig, dass ich heute deutsche Meisterin geworden bin, gerade bei so einem starken Feld and Startenden.

so Afra Hönig nach der Siegerehrung

Beim Herren-Finale gestaltete sich die Lage etwas anders: Yannick Flohé legte einen unglaublich souveränen Lauf vor und flashte die ersten beiden Touren, die außer ihm niemand klettern konnte. Schon nach Boulder Nummer drei stand er als Gewinner fest. Besonders ärgerlich war das natürlich für den Zweitplatzierten und Olympia-Teilnehmer Jan Hojer. Der 29-Jährige überzeugte mit einer starken Form bereits im Halbfinale, die ersten beiden Final-Boulder waren ihm aber nicht auf den Leib geschneidert. Mit seinem Flash in der letzten Route setzte er sich dennoch von Max Kleesattel ab – der dasselbe Top nicht erreichte und damit mit der Bronze-Medaille nach Hause ging. 

Heute haben mir die Boulder richtig gut gelegen, weil es endlich mal steil war und auf Bizeps geschraubt. Ich hatte Glück, dass ich im Finale einen guten Start hatte, ich hab den ersten Boulder direkt als Einziger gemacht und mit etwas Vorsprung kann eigentlich nichts schiefgehen. Der Wettkampf fand in einer geilen Location statt, leider haben die Zuschauer gefehlt, aber wenn man das nochmal mit Publikum wiederholen könnte, wäre es ziemlich rtoll. Durch den Sieg nehme ich mir natürlich auch Motivation für die nächsten Weltcups mit.

so der neue Deutsche Boulder Meister Yannick Flohé

Ergebnisse der Deutschen Boulder Meisterschaft 2021

Damen:

1. Afra Hönig
2. Hannah Meul
3. Anna Lechner

4. Roxana Wienand
5. Alma Bestvater
6. Leonie Lochner
7. Helene Wolf
8. Florence Grünewald
9. Alina Gregori
10. Franziska Ritter
11. Lucia Dörffel

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Herren:

1. Yannick Flohé
2. Jan Hojer
3. Max Kleesattel

4. Christoph Schweiger
5. Lasse von Freier
6. Stefan Schmieg
7. Alexander Averdunk
8. Christoph Hanke
9. Jonas Brandenburger
10. Elias Arriagada Krüger
11. Tim Würthner

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Die Boulder waren gut geschraubt, die Favoriten haben sich grundsätzlich durchgesetzt. Auf dem Treppchen sind dann die gelandet, die sich über die Runden durchgängig bestätigt haben. Hannah Meul hat im allerletzten Boulder den Sieg aus der Hand gegeben, das hätte ich eigentlich nicht gedacht. Aber auch Afra Hönig war über die Runden hinweg konstant und gut unterwegs und hat sich deshalb natürlich auch den Titel verdient. Yannick Flohé hat alle drei Runden gewonnen; mit zwei Bouldern Vorsprung zu siegen ist schon eine deutliche Ansage. Das zeigt, wo er gerade steht und was er kann. Jetzt gilt es, das in die Weltcups mitzunehmen. Im Speed sind die Zeiten schon recht gut. Die ganze Speed-Gruppe verdichtet sich, es gibt nicht mehr nur einen Favoriten, sondern mehrere. Bei den Herren kratzen mittlerweile viele an der 6-Sekunden-Marke und bei den Damen liegen einige im tiefen 8-Sekunden-Bereich. Es macht richtig Spaß, dass wir neben Bouldern und Lead noch eine dritte Disziplin entwickelt haben, in der wir auch international mitspielen können.

so das Fazit des Bundestrainer Dr. Urs Stöcker
  • Credits Text Franz Güntner / DAV, Kletterszene.com
  • Credits Fotos DAV/Vertical Axis
  • Beitragsdatum 7. Juni 2021