35 Jahre ungeklettert: Erwan Legrand (17) befreit legendäre Route Le Bombé Bleu in Buoux
Seit 1991 haben sich viele Kletter*innen an Le Bombé Bleu in Buoux versucht – vergeblich. Jetzt ist dem Franzosen Erwan Legrand am 11. Februar die Erstbegehung der ikonischen Route gelungen. Für seine Begehung verzichtete der erst 17-Jährige sogar auf Kletterschuhe.
Le Bombé Bleu bedarf in Kletterer-Kreisen eigentlich keiner Vorstellung. Die Linie im französischen Kletterhotspot Buoux hat allein deshalb Legendenstatus, weil sie unglaubliche 35 Jahre lang zu den ungelösten Herausforderungen des Sports zählte. Seit Marc Le Ménestrel die Route 1991 eingebohrt hat, hat sich die Weltspitze immer wieder an dem offenen Projekt versucht. Ben Moon, Chris Sharma, Charles Albert, Nico Pelorson, Alex Megos – sie alle und viele weitere Top-Kletter*innen scheiterten an der Linie.
17-Jähriger meldet Erstbegehung von Le Bombé Bleu

Der Erstbegeher der ikonischen Route sollte schließlich ein Franzose sein, der nicht einmal halb so alt ist wie die Linie selbst. Aus dem Nichts kam Erwan Legrand dabei aber nicht: Der 17-Jährige ist der Sohn des französischen Kletterstars François Legrand, der noch heute als einer der erfolgreichsten Wettkampfkletterer aller Zeiten gilt.
Dass Erwan Legrand das Klettern in die Wiege gelegt wurde, war schon vor Le Bombé Bleu klar: 2023 gelang dem damals 14-Jährigen seine erste 9a, eine Erstbegehung in Aix-en-Provence. 2025 wiederholte er außerdem The Journey (9a/+) in Margalef und befreite Beginning of the Strongness (9a) in Buoux.
Darüber hinaus ist über die Tickliste des jungen Franzosen kaum etwas bekannt. Die Zeiten sind jetzt vorbei: Denn mit der wohl begehrtesten Erstbegehung des Klettersports hat sich Erwan Legrand in die Geschichtsbücher eingetragen.
Ich habe so lange von diesem Moment geträumt. Nach 15 Sessions harter Arbeit hat es endlich geklappt.
Erwan Legrand auf Instagram
First Ascent ohne Kletterschuhe
Was Erwan Legrands Erstbegehung – neben seinem jungen Alter – noch besonderer macht: Der 17-Jährige ließ seine Kletterschuhe bewusst links liegen und kletterte die Linie barfuß. Angesichts der schlechten Tritte in der Route ergibt diese Entscheidung ziemlich viel Sinn. Ob sich seine Vorgänger an Le Bombé Bleu schon einmal derselben Methode bedient haben? Abgesehen von „Barefoot“ Charles Albert (bei dem wir uns ziemlich sicher sind), bleibt das wohl Spekulation.
Auf Instagram schlug die Meldung der ersten Begehung jedenfalls ein wie eine sprichwörtliche Bombe: Adam Ondra, Chris Sharma, Alex Megos, die Pou- und Huber-Brüder, Alain Robert – sie alle ziehen ihren Hut vor dem Teenager, der eines der ältesten Rätsel des Sports endlich lösen konnte.
Unglaublich, Erwan! Das legendärste Projekt ist endlich geschafft.
Adam Ondra beglückwünscht auf Instagram
Über die Route

Als Marc Le Ménestrel 1991 das einbohrte, was später Le Bombé Bleu heißen würde, war das nichts geringeres als Pionierarbeit. Die Linie quert durch den spektakulären Überhang oberhalb des Sektors La Plage – und besteht dabei aus so unscheinbaren und schlechten Griffen, dass viele Jahre lang immer wieder Zweifel aufkamen, ob irgendjemand das wirklich klettern kann.
Le Bombé Bleu ist zudem für ihre unglaublich schwierige Schlüsselstelle im unteren Teil bekannt. Kurz nach der ersten 7a-Sequenz folgt ein Dyno von einem flachen Einfingerloch in ein rechtes Zweifingerloch. Die Bewegung ist so schwer und „low percentage“, das der Zug lange als unmöglich galt. Ben Moon, der in den 1990er Jahren mit visionären Erstbegehungen zu den weltbesten Kletterern zählte, trainierte sogar auf Replika-Griffen diese spezifische Crux.
Im Dezember gab Legrand bekannt, dass er den Zug zum ersten Mal halten konnte. Auch nach dem Dyno ist Le Bombé Bleu alles andere als vorbei. Danach schließt – ohne jegliche Ruheposition – ein kurzer Abschnitt im Grad 8c+/9a direkt an die brutale Schlüsselsequenz an.
Es geht (noch) nicht um die Schwierigkeit
Grundsätzlich ist die Erstbegehung von Le Bombé Bleu ein so markantes kletterhistorisches Ereignis, das Diskussionen um den Schwierigkeitsgrad zunächst hintenanstellt. Gleichzeitig liegt bei einem so lange ungekletterten Projekt natürlich die Frage nach der Bewertung nahe. Die wird sich wahrscheinlich auch danach richten, welche Schwierigkeit die dynamische Crux verpasst bekommt. Auch die Barfuß-Begehung ist ein Faktor, der dabei berücksichtigt werden muss.
Erwan Legrand, der als Einziger über die Schwierigkeit der gesamten Linie urteilen kann, hält sich dazu erstmal bedeckt – was angesichts all der Aufmerksamkeit rund um die Route mehr als verständlich ist. Für den 17-Jährigen standen bei der Erstbegehung andere Dinge im Vordergrund:
Diese Begehung bedeutet mir so viel – mehr als jede andere. Eine so schöne, mystische und historische Route in meinem Heimatgebiet zu klettern ist besser als alles, was ich mir vorstellen kann. Den Moment der Realisation, als ich die Route geschafft habe, werde ich niemals vergessen.
Erwan Legrand auf Instagram
Erwan Legrand bedankte sich auf Instagram außerdem bei Marc Le Ménestrel dafür, dass dieser die Linie all die Jahre vor Kletterern mit bösen Absichten (in Form von Hammer und Meißel) beschützt hat: „Marc hat dafür gesorgt, dass die Linie ungechippt bleibt – in einer Zeit, in der die meisten Leute nicht geglaubt haben, dass so etwas nur mit natürlichen Griffen einmal geklettert werden kann.“
Video-Link: https://youtu.be/fD3yWmmyeuo?si=dwXbl5M7GOSVDOjQ