Nachdem wir euch in den letzten beiden Artikeln 1 & 2 insgesamt 15 Klettergebiete mit Museen und Shoppingmalls vorgestellt haben , kann der nächste „Kletterurlaub“/Urlaub nur noch an einem taktisch unklugen Urlaubplanungsgespräch scheitern. Der andere / Ese hat zwar ab und zu nichtkletternde Lebensabschnittsgefährtinnen am Start, aber um einen Urlaub mit ihnen zu planen, ist eine Nacht meistens zu kurz.

Ese: du wolltest eigentlich „Bam, Oida“ dahinterschreiben, ich weiß es…

Ich hätte zwar die richtigen Erfahrungen für diesen Artikel sammeln können, aber zu diesem Zeitpunkt war an Kletterszene(?) noch kein Gedanke verschwendet worde und eh ich mich versah, fand ich es mehr als angenehm mal zwei Wochen im Jahr nicht klettern zu müssen. Um meine Ehre als Kletterer noch zu retten, kann und muss ich sagen, das meine Freundin klettern angefangen hat und auch Spaß dabei hat. Nur habe ich bei einem reinen Kletterurlaub mit ihr recht schlechte Karten. Damit ihr nicht in so eine Situation kommt, hab ich mich mit meiner besseren Hälfte zusammen gesetzt und meine taktischen Fehler von damals durch besprochen:

Kannst du mir sagen, was ich in punkto Kletterurlaubsplanungen bei dir früher falsch gemacht habe?

Die fehlende Auswahl an Möglichkeiten, die Jahreszeit (wer will bitte von November — April in Europa verreisen), bei Kälte im Bus schlafen, die schöne Aussicht im Bach baden zu dürfen bei Minusgraden (siehe Punkt Jahreszeit), in der Nähe von Paris zu sein, aber keine Intention sich Paris auch nur anzuschauen. Gleiches gilt für Krabi in Raileh oder Kuala Lumpur… Wozu dann der Aufwand und das teure Flugticket? Aber da hast du dich ja eh schon gebessert. 

Außerdem: Kletterer neigen dazu, ihren Urlaub extrem billig zu halten: Essen/Unterkunft. Lieber mal ein paar Euro investieren, dann ist auch die Freundin glücklich.

Ese: siehste Mal, soo is dat

Was hätte ich deiner Meinung nach in den Gesprächen nicht erwähnen sollen?

Jahreszeit, „da ist es noch total warm“ -> nachforschen bei wetter-online brachte dann doch die Wahrheit ans Licht :)


„Ich kenne einen prima Platz zum
Pennen: Da ist so ein Rastplatz/Friedhof/Müllhalde, der ist umsonst und keiner kontrolliert dort.“ Ja, äh, warum bloß…

Und was hättest Du dann eher hören wollen?

„Ich habe eine total schöne Ferienwohnung gemietet, mit Dusche, Balkon, Küche (wahlweise auch Saunalandschaft und Zimmerservice :P) – ach und die andern Jungs pennen draußen.“‚

„Schatz, wir fliegen nach Barcelona und ich hab 5 Tage für Shopping und Sightseeing freigehalten. Natürlich mit Übernachtung vor Ort, damit wir flexibler sind.“

„Wenn wir schon in Südostasien sind können wir ja auch nen kleinen Abstecher nach Angkor Wat machen, ich hab gehört die Tempel sind der Hammer.“

Müssen es immer Urlaubsorte am Meer sein, oder hätte auch eine Stadt mit schönen Museen, großer Partymeile und Shoppingmalls gereicht?

Naja, du fragst ja mich, also: mehr Meer!! Immerhin will ich surfen! Aber je nach Lage ist Party und Shoppen bei mir nie verkehrt. Die Mischung macht’s. Am besten am Anfang klettern und zum Abschluss der Rest. Dann ist die Sehnsucht hinterher nicht so groß.

Ese: Soso, die Dame will surfen, aber der Herr darf nicht klettern. Das Interview ist einseitig, mümümü…

Wie würdest du so ein Gespräch anfangen, bzw. was sollte ich mir tunlichst verkneifen bei den nächsten versuchen?

Gleich auf den Punkt kommen und nicht versuchen, die Katze im Sack zu verkaufen. Eine erfahrene Kletterfreundin weiß, dass auch in Spanien, Portugal und Frankreich irgendwann die Temperaturen sinken, auch wenn Tessin noch so sehr auf der gleichen Höhe wie Italien liegt. Außerdem fair sein und nicht eine Aufteilung à la 3/17: sprich 17 Tage unterwegs, 3 Tage für mich, 14 zum Klettern (siehe Eck*).


Man sollte außerdem nicht nur Verständnis vom anderen verlangen, sondern wirklich eine gemeinsame Lösung suchen und dann nicht nur genervt neben dem anderen stehen, wenn sie/er gerade in Ehrfurcht vor der Sagrada Familia steht und unentwegt fragen, ob sie/er nicht auch schon ganz dizzy ist, von der Stadtluft und dem Gestank…Der gehört zu einer Großstadt!!

Macht es für dich einen Unterschied, bei deiner Entscheidung ob ich jetzt nen Bus mit Standheizung hab oder wir im Zelt / Combi schlafen müssten?

Je größer/komfortabler, desto besser! Zelt geht auch, Combi: nee danke.

Na, danke!!

Die nächsten Urlaubsplanungen habe ich im Sinne eines Vollblut Kletterers zwar schon wieder verloren, aber ich halte Euch auf dem laufenden wenn sie die Situation mal ändern sollte. Denke aber, dass ich vor Pfingsten keine Chance dafür bekommen.

(* Eck = ist ein guter Freund von mir. Der sich aber auch nach ein paar Jahren Beziehung gefügt hat. Zu seiner Ehrenrettung muss ich aber sagen, dass er deutlich standhafter ist als ich jemals war.  

 

Kommentare

  1. Olli | | Antworten

    Oha, ein „Freizeitkletterartikel“!

    Man(n) muss sich nix vormachen; träumt man nachts von unterirdisch kleinen Ausstiegskratzern und kann die Bewegungsfolge irgendeiner gallischen 8 auch nach einer 16stündigen Heimfahrt aus Gallien noch exakt und in Echtzeit runterbeten, muss die Sache mit der Urlaubspartnerschaft, vulgo Sicherungsneger anders und systematischer angegangen werden.
    Wichtige Weichen werden schon beim Kennenlernen gestellt. So ist die Anmachfrage nicht mit „Was willst du trinken?“ richtig gestellt, sondern die Frage muss lauten: „Kannst du sichern?“.

    WENN (!) es danach noch zu einer Partnerschaft führt, die die Dauer des Üblichen aus Sicht des hier den Artikel mitschreibenden „Anderen“ überdauert, sind weitere Indikatoren zu beachten, um überhaupt eine gemeinsame Urlaubsreise zum Klettern angehen zu können (BTW: Seit wann ist eine Kletterreise Urlaub?).
    Es gibt z. B. deutliche Unterschiede in der Bewertung einer Situation, die eindeutig die Eignung des Partners qualifizieren:
    „Heute hat es Gripp!“ versus „Mir ist kalt!“
    oder
    „Klasse, meine Jeans wird langsam wieder weich!“ versus „Ich brauch eine Dusche!“.

    Sollte solcherlei Kommunikation zur Zufriedenheit des Klettereres ausfallen, kann ein 3wöchiger Aufenthalt im Tunnel von La Turbie (Monaco) oder auf dem Staubplatz in Finale mal in die weitere Lebensplanung einbezogen werden. Wenn die Analyse anders ausfällt, dann lieber ohne den Partner reisen und einen gemeinsamen Urlaub fern jeglichen Gesteins (und jeglicher Kletterhallen) anstreben. Eine Kreuzfahrt könnte geeignet sein (Tribut an die Schlusszene des Films „Männer auf Rädern“).

  2. Anna | | Antworten

    Ich finde Eure Darstellung etwas einseitig. Welcher Mann will schon dauernd shoppen gehen oder ins Museum. Kenne da keinen, aber welche, die Klettern leider auch nicht. In den Hallen gibt es fast nur noch Frauen. Wo seid Ihr??

  3. Tommi | | Antworten

    Hüstel, hüstel! Ich persönlich werde ja nervös bei zu vielen Frauen und kletter dann lieber „heimlich“ und kann das dann hier natürlich auch nicht verraten.
    In Minga in der Boulderwelt gibts ein paar „nette“ langhaarige Boulderer, die sich rührend um neue Mädels kümmern. Gehst einfach mal hin und guckst wie ein Anfänger und schon scharen sie sich um dich.
    Und in der besten Boulderhalle der Welt gibt es ganz sicher auch ein paar Kerle, die nichts lieber täten, als nicht ins Museum zu müssen.

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