Albarracín in der spanischen Provinz Teruel ist schon lange kein Geheimtipp mehr, wenn es um gutes Bouldern in Europa geht. Deswegen waren wir gespannt, wie sich das Bouldergebiet in den letzten Jahren entwickelt hat, seit wir dort waren. 2008 lagen der Spot und auch der Ort praktisch noch im Boulder-Winterschlaf: Kein richtiger Führer, nur ein paar pdf-Ausdrucke als Topo und wenige weitere Informationen lockten nur die hartgesottensten Boulderer nach Albarracín. Im Gespräch mit einem deutschstämmigen Barbesitzer stellte sich heraus, dass nicht jeder den damals schon absehbaren Boulderboom befürwortete. Die Angst vor rücksichtslosen Boulderern, die überall ihren Müll hinterlassen und die Ruhe in dem beschaulichen Örtchen stören würden, war groß.

Im Jahr 2014 gestaltet sich die Situation folgendermaßen: Inzwischen gibt es mehrere sehr gute Führer. Unser persönlicher Favorit ist „Boulder Albarracín“ aus dem Hause Desnivel. Zur Information im Internet empfiehlt sich Norop.es, eine Seite mit allen aktuellen Infos zum Bouldern in Albarracín. Vor Ort befinden sich mittlerweile zwei Bouldershops und im Internet sind eine Vielzahl an Videos und weiteren Informationen in den einschlägigen Foren und Kanälen verfügbar. Die vom Barbesitzer befürchteten Massen von Boulderern sind gekommen, aber sie ziehen NICHT wütend und randalierend durch den Wald oder zerstören die berühmten „Pinturas“, die Felsmalereien, für die der Wald über Albarracín weltbekannt ist. Im Gegenteil, die Boulderer sind Freunde der Einwohner Albarracíns geworden und hinterlassen anstatt Müll jede Menge Geld in der sonst eher armen Region. Der Vergleich mit Arco ist nicht an den Haaren herbeigezogen: Wenn man abends noch auf ein Bier in der Altstadt unterwegs ist, sieht man viele der Daunenjacke tragenden, bemützten, breitschultrigen Athleten, die sich dem Bouldern verschrieben haben. Wenn sie nicht am Fels ihrer Leidenschaft nachgehen, ziehen sie durch die Stadt, auf der Suche nach einer Bar mit W-Lan Zugang, um die neusten Ascents einzutragen oder sie befinden sich auf dem Weg ins Restaurant, um die Energiespeicher für den nächsten Klettertag aufzufüllen. Die Boulderer sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken und die Gastronomie möchte nicht mehr auf sie verzichten.

Praktische Informationen zum Bouldern in Albarracín

Albarracín zählt wohl zu einem der entspanntesten Bouldergebiete Europas. Vom großen Hauptparkplatz lassen sich fast alle Sektoren erreichen. Für den längsten Zustieg benötigt man höchstens 15 min, einige Klassiker befinden sich sogar direkt in Parkplatznähe. Die Landezonen unter den Blöcken sind in der Regel sehr angenehm, so dass man mit einem Crashpad pro Person anreisen kann. Wer in den Schwierigkeitsgraden zwischen Fb 6C bis Fb 7B unterwegs ist, kann getrost mehrere Urlaube für Albarracín verplanen, denn das Angebot an Bouldern ist in diesem Bereich schier unbegrenzt. Dazu kommt noch, dass ständig weitere Boulder erschlossen werden. Das Potential des Spots ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Einige Sektoren sind vom 10. Januar bis zum 15. August aufgrund von Vogelbrut gesperrt, was unbedingt beachtet werden muss. Dies bedeutet aber nicht, dass man in diesem Zeitraum Albarracín meiden sollte, denn die beiden größten Sektoren Arrastradero und Techos sind ganzjährig geöffnet und bieten mit ihren Blöcken reichlich Potential zum Austoben.

Anreise, Unterkunft & Jahreszeit

Von Deutschland aus empfiehlt sich die Anreise mit Flugzeug und Mietwagen. Der Flughafen von Valencia ist knappe 200 km von Albarracín entfernt und wird auch von günstigen Airlines angeflogen. Wer hier frühzeitig bucht, kann einen entsprechend preiswerten Flug erwischen. Wer mit Crashpads reist, dem wird empfohlen, mehrere Pads mit einem Spanngurt zu einem Gepäckstück zusammenzuschnüren. So können oftmals die teuren Kosten fürs Sondergepäck drastisch reduziert werden. Es lohnt sich immer neben den Flugtarifen auch die individuellen Konditionen der Airlines für Gepäck checken!
In Albarracín selbst gibt es einige Hotels, die häufig günstige Zimmer im Angebot haben. Der Klassiker zum Übernachten ist der Campingplatz in Albarracín. Von hier aus bietet sich fast immer eine Mitfahrgelegenheit zum Gebiet, wenn man ohne Auto unterwegs ist.

Die beste Zeit für einen Besuch dieses Weltklassebouldergebietes sind Frühling und Herbst. Im Sommer kann man in den Wäldern bestimmt einige schattige Plätze finden; für die Sloperausstiege ist diese Jahreszeit aber sicherlich nicht ideal. Auch im Winter gibt es sehr gute Bedingungen, man sollte jedoch die Höhenlage des Gebietes nicht unterschätzen, da die Winter hier auch schneereich sein können.

Für uns war es jedenfalls wieder einmal eine tolle Zeit in Albarracín und vielleicht bekommt ihr durch die  Bilder und das Video auch einmal Lust, die Blöcke dort unten zu besuchen. Albarracín wird euch sicher mit offenen Armen empfangen!

Nico & Christoph

Text: Christoph / Foto & Video: Nico

Kommentare

  1. Nima | | Antworten

    Hey, hallo :-)
    Sehr guter Artikel, gefällt mir!
    Wir waren 2012 in Albarracin und haben es genaus empfunden. Ich habe meine Eindrücke ebenfalls in einem Blogartikel zusammengetragenn http://abenteuer-spanien.com/bouldern-albarracin/

    Werde auf jeden Fall jetzt häufiger bei euch vorbeischauen!
    Hasta luego
    Nima

  2. E9 mit Mytze und Goldkette | | Antworten

    Gerhard: Jetzt reißt es mich ;-) Horst…

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