Andreas Hofmann hat uns einen offenen Brief geschrieben, der sich um das Thema Tickmarks und deren Verwendung am Fels auseinandersetzt. Bevor jetzt hier gleich wieder ein Unbelehrbarer rummault, dass er sich nicht vorschreiben ließe, wie er zu bouldern habe… Ganz ruhig, Andi hat nichts gegen Tickmarks, wenn sie halt wieder verschwinden. Und wir können uns seiner Meinung voll und ganz anschließen:

Lieber Tickmarker, lieber Tickmarkerin,

Tickmarks_Bleauan meinen letzten drei Klettertagen – ich kletterte in Routen zwischen 7 und 9 an verschiedenen Steinen in Franken – begegnete ich strichförmigen Gebilden, mit Chalk an den Wänden hinterlassen, in größerer Anzahl.

Ganz subjektiv stelle ich fest, dass es mehr und mehr zunimmt, Griffe jeglicher Art und Größe anzuzeichnen und diese Markierungen nach Abschluss der Kletterei zu hinterlassen. Ganze Wandpassagen – gleich ob beim Bouldern oder Klettern mit Seil – sind mit kleineren und größeren Markierungen versehen – teilweise mit Ausmaßen einer Einflugschneise durch bis zu 50 cm langen, V-förmig zulaufenden Striche.

Mir war das schon immer lästig bis ärgerlich, weil mir die Möglichkeit genommen wird, während des Kletterns meinen eigenen Weg zu finden – ich will diesen eigenen Weg finden! Jetzt aber begegnet es mir immer öfter und ich möchte zu Nachdenken anregen.

tickmarks_KlagemauerUnd im Austausch mit den meisten Kletterpartnern höre ich ähnliche Töne; die meisten ärgern sich über nicht weggeputzte Ticks. Die Chalkmarks bannen die Aufmerksamkeit beim Klettern – ob ich will oder nicht. Ob das nur einer fehlenden Flexibilität angesichts eines fortgeschrittenen geriatrischen Zustands geschuldet ist, kann ich nicht ganz beurteilen. Ich vermute aber, dass es den meisten, gleich wie alt, geht wie mir; den meisten, mit denen ich persönlich zu tun habe, geht es jedenfalls sehr gegen den Strich.

Ich möchte auch gar nichts gegen das Ticken an sich sagen! Das ist für mich vollkommen ok. Aber bitte denkt daran: Wenn ihr fertig seid, bürstelt bitte die Ticks weg!!! Für mich ist es eine Frage des Respekts, das Gelände so zu hinterlassen, wie ich es vorgefunden habe. So kann ich die Route klettern, wie Du es auch konntest.

Nochwas: Ich kenne das auch … Ich komme platt ans Ende der Tour, baue mit dem letzten Rest an Aufmerksamkeit ab und das Bürsteln droht auf der Strecke vergessen zu werden. Ein aufmerksamer Sicherer oder Mit-Boulderer haut mir da gerne auf die Finger – und es ist gut so!

Sollte sich die Bereitschaft einstellen, Dein Verhalten zu überdenken, ja gegebenenfalls sogar aktiv zu verändern – Vielen Dank!

 

on the edge 2 (1024x771)no_tick_marks_climbing (Jason Temple-Forbes)Achso und noch ein kurzer Nachtrag von uns… unser unerschütterlicher Recherche-Wahn, den ihr ja alle kennt und liebt hat aus den Untiefen des Internets noch zwei schöne Bilder zu Tage gefördert, die das Thema auch nochmal deutlich unterstreichen.

p.s. Seid lieb zum Fels, dann ist er lieb zu euch!

p.p.s. Weitere Informationen zum Thema: Draussen ist keine Boulderhalle findet ihr hier….

Kommentare

  1. Betsky | | Antworten

    Vielen Dank für diesen treffenden und wunderbar geschriebenen Beitrag! Mehr gibt’s zu dem Thema nicht zu sagen…peace.

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