Paige Claassen und Nina Caprez punkten 8c+, Jonathan Siegrist Realization (9a+), David Firnenburg wiederholt Unendliche Geschichte (8B+) und Alexander Megos schenkt Franken eine neue 9a [Shortnews]

Bis du deppat, jetzt läuft es aber im Hause Firnenburg wie am Schnürchen. Nachdem sich David die letzten Wochen in Bleau und Avers langsam aber sicher mit diversen 8B Begehungen in die Saison eingebouldert hat, gelang ihm mit der Unendlichen Geschichte (8B+) sein erster Boulder in diesem Schwierigkeitsgrad.

Zum Bedauern aller derjenigen, die darauf Wert gelegt haben eine der hundert schwersten Routen Frankens wiederholt zu haben, fällt die von Markus Bock erstbegangene Route Black Is Basic (8b+/8c) aus der Top 100 Frankenjura Liste raus. Denn Alexander Megos sorgte vor ein paar Tagen mit einer neuen Shang-ri-la Ausstiegsvariante für Nachschub im obersten drittel der besagten Liste. Die Route hört auf den Namen Nice Freshly Baked (9a bzw. 11) und ist die direkte Ausstiegsvariante der von Guido Köstermeyer im Jahre 1995 erstbegangenen Route Shang-ri-la (8c+).

paige_claassen_img3Anfang der Neunzigern waren dank Didier Raboutou, Fred Nicole, Marc und  Antoine le Menestrel, Beat Kammerlander, Ben Moon, Wolfgang Güllich, Eric Thalmadge, Werner Thon, Guido Köstermayer sowie auch Jean-Baptiste Tribou mit ihren Erstbegehungen im Sportklettern, ganz klar  das Maß aller Dinge. Wenn man also schwer klettern wollte, musste man schon nach Frankreich, England oder halt auch in die Fränkische kommen. Die Amis wussten zwar schon das es den Grad 9a geben soll, hatten aber zu der Zeit selbst noch keinen und auch die 8c+ Routen war da noch sehr sehr rar bis gar nicht vorhanden. J.B. Tribou änderte 1992 diese Situation mit seiner Erstbegehung von Just do it (8c+). Zugegeben es ist keine 9a, aber die Route hat sich Jahre lang sehr gut gegen potentielle Wiederholer gewehrt und zählte somit recht schnell zu den schwersten Routen Amerikas. Auch der Grad 9a wurde das ein oder andere Mal mit der Route in Verbindung gebracht und jeder der Sportkletterhistorisch etwas bewandert ist, weiß was dies damals bedeutete. Spätestens als 1997 Chris Sharma die Route wiederholte kannte sie jeder Kletterer auf der Welt. Denn zum einen gab es immer noch nicht so viele 9a auf der Welt, dann war Chris erst 16 Jahre jung und er zog sich während der Begehung den Pulli aus.  Nun sind 22 Jahre vergangen und auch wenn sich in dieser Zeit einiges geändert hat, die Route hat immer noch nichts von ihrem Ruf verloren.  Deshalb ist auch die Wiederholgung von Just do it (8c+) durch Paige Claassen mal ’ne ordentliche Hausnummer und ein BÄM reicht da wirklich nicht aus!!!

nina arcteryx (2 sur 3)Aber auch Nina Caprez konnte mit ihrer Wiederholung von Hélix (8c+) wieder kräftig punkten. Nachdem der doch recht widerspenstige Einstiegsboulder nach drei Tagen entlich klappte, war es im Grunde nur noch eine Frage der Zeit, bis Nina den Umlenker im Durchstieg klippen konnte. Denn die Beta für die restlichen Klettermeter waren recht schnell gefunden. Da die Route aber schon für die männliche Fraktion den ein oder anderen kräftigen und auch weiten Zug an kleinen Leisten abfordert, war die doch etwas kleinere Nina gezwungen diese Züge mithilfenahme von Tritten zu entschärfen und somit machbar zu gestalten. Jetzt ist das aber so ein Problem mit Tritten in 8c+ Routen. Denn zum einen sehr selten und wenn doch da — meist sehr klein. Hat schon ’nen Grund warum es Griffe und Tritte gibt. Das war auch der Grund, warum es dann doch etwas länger gedauert hat, als alle Beteiligten (Sicherungsbunnies, Nina, Fangemeinde) gedacht hatten. Nach einer zweiwöchigen Pause und insgesamt 20 Versuchen gelang ihr aber gestern der ersehnte Durchstieg und sie freute sich wie ein Schnitzel darüber.

jonathan-siegrist-13Ein weiterer Meilenstein der Klettergeschichte hat kürzlich durch Jonathan Siegrist eine Wiederholung bekommen. Aus diesem Grund holen wir auch hier etwas weiter aus. 1989 wurde durch Jean-Christophe Lafaille die Linie eingebohrt aber erst 1996 bekam sie durch die Erstbegehung von Arnaud Petit einen Namen: Biographie (8c+).  Als sich Arnaud damals dem Projekt annahm verlängerte er die Linie die heutzutage unter den Namen Realization (9a+) bekannt ist. Er konnte aber die letzten Meter nie im Durchstieg klettern und setzt 1996 genervt (Annahm. d. Red.) den Umlenker ca. in der Hälfte der Route.  Ein paar Jahre später kam Chris Sharma bei einer seiner ersten Weltreisen nach Céüse und war von dieser Linie sofort angetan. Es dauerte aber noch ein paar Jahre bis Chris soweit war und die komplette Linie 2001 durchsteigen konnte. Sein damaliger Namens- und Bewertungsvorschlag war Realization (9a+). Das gab einen Aufschrei, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Jetzt nicht wegen der Bewertung und die gab es zu der Zeit auch noch nicht, sondern wegen des neuen Namens.  Wir sagen nur Frankreich und Revolution!!! Nach ein paar Jahren einigte man sich, das es doch zwei Routen sind und die eine auf  Biographie (8c+) und die Erweiterung auf Realization 9a+ hört. Wie schon angedeutet konnte Jonathan Siegrist sich die Route Realization 9a+ vor ein paar Tagen in seine Tickliste schreiben.

Text: kletterszene.com Quelle: Frankenjura.com & geballtes Fachwissen aus Freising Foto: Marmot, Arcteryx

Kommentare

Kommentieren

Hinterlasse eine Antwort

Anti-Spam. Bitte rechne das Ergebnis aus. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.