Klettern wird olympisch und die Rolle des DAV

Gestern war in München der große Startschuß für die neue Kampagne des DAV-Spitzensportressorts: Climb To Tokyo.

Genauer gesagt für die olympischen Sommerspiele 2020 in Tokyo bei denen neben vier weiteren Kategorien das Sportklettern einen eigenen Platz in der Shortlist bekommt und somit auf der Agenda/dem Prüfstand steht. „Prüfstand“ heißt, es kann sein, dass Klettern genauso schnell wieder verschwindet und hier zitiere ich mal (frei) einen der anwesenden Kollegen: Wenn das IOC meint, es wäre mehr Geld beim Pole-Dance oder Teebeutelweitwurf drin, dann gibt’s 2024 auch kein Klettern mehr.

Das neue Format: Olympic Combined

Na gut. Aber für 2020 ist Klettern auf jeden Fall für 40 Kletterer (20 Damen und 20 Herrn) die Eintrittskarte zu den Olympischen Spielen und wie ihr schon den Zahlen entnehmen könnt: bei ca. 10500 Athleten aus anderen Sportarten ist Klettern jetzt nicht gerade überrepräsentiert.

Dazu kommt noch das Format, das zwingend folgende Disziplinen vorschreibt: Leadklettern, Bouldern und Speedklettern. Da ja — bekanntlich — die Europäer/-innen nicht gerade die beste Speedkletterer hat, wird das vermutlich schon eine enge Kiste in der Qualifikation. Bundestrainer Urs Stöcker sieht zwar grundsätzlich Potential für Schnellkraft und Koordination beim Speed, sieht aber auch die Defizite zumal die Qualifikation schon 2019 abgeschlossen sein wird und dafür natürlich die Zeit für Training ein entscheidender Faktor sein wird.

Dabei sein ist alles? Die Qualifikation

Bei 40 Athleten/innen weltweit ist das Starterfeld nicht gerade groß und dementsprechend wird durch ein System festgelegt, wer starten darf und wer nicht.

So ganz ausgereift ist das System noch nicht, aber die Eckdaten sind im Grunde so: Die WM 2019 entscheidet 7 Plätze (jeweils Frauen/Männer), die Combined-Wertung des Weltcups weitere 13. Das wären ja jetzt schon 20. Jetzt gibt es aber noch einen fixen Startplatz für Japan (als Ausrichter) und eine Wildcard für ein Nicht-Mitglied der IFSC bspw. aus Afrika. Wo und wie diese Plätze vergeben werden ist noch nicht so ganz klar. Pro Nation dürfen aber eh nur zwei Frauen bzw. Männer mitfahren. Also wie ihr seht stehen den 17 deutschen Athleten, die in der engeren Auswahl sind, ziemlich anstrengende zwei Jahre bevor. Sie können sich im Grunde entscheiden, ob sie bei der WM starten (was entsprechende Leistung bei den nationalen Wettbewerben voraussetzt) oder bei den Weltcups. Dort ist ebenso konstante Leistung gefragt, zumal auch hier die ungeliebte Speeddisziplin mitgenommen werden muss.

Die Rolle des DAV

Der DAV, diesmal in seiner Funktion als Spitzensport/Leistungsportverband für’s Sportklettern, will da laut Olaf Tabor (Geschäftsführer DAV) „auf jeden Fall Gas geben.“ Man wolle sich danach nicht vorwerfen lassen, nicht alles daraus gemacht zu haben. Und egal wie die ganze Sache mit Olympia ausginge, man kann die Gelegenheit mitnehmen, um den Klettersport auf ein neues Niveau zu heben.

Aus diesem Grund wird auch demnächst, gemeinsam mit dem KLever e.V., in Ausgburg ein neues Landesleistungszentrum entstehen *). Dort soll quasi ein fester Standort für alle bayrischen Aspiranten für Olympia etabliert werden. Desweiteren werden bundesweit Urs Stöcker, Maxi Klaus und Fritzi Kops als hauptamtliche Bundestrainer beschäftigt sein und das Amt wird sie wahrscheinlich auch alle ziemlich ausfüllen.

Auf’s Thema Olympia und Organisation ging dann im späteren Verlauf noch Olaf Wabel ein, der meinte der DAV wolle versuchen auch unbequeme Vorgaben seitens des IOC nicht wortlos mitzutragen und der DAV sei sich da sehr wohl seiner Rolle als Sportverband bewusst.

Die Athleten

Ganz grundätzlich muss man sagen, dass es schlußendlich an den Teilnehmern hängt. Und denen kann man nur einen langen Atem und viel Durchhaltevermögen wünschen, den wenn man den Wettkampkalender 2018 und 2019 anschaut steht den Mädels und Jungs eine knackige Zeit bevor.

Wir wünschen auf jeden Fall allen Mitgliedern des Kaders viel Erfolg bei der Vorbereitung.

Weitere Infos

Wer sich noch mehr für das Thema interssiert, für den hat der DAV die eigene Seite alpenverein.de/climbtotokyo ins Leben gerufen. Dort ist der zentrale Ort für alle Themen rund um Wettkämpfe, Olympia und die Kadermitglieder.

 

* [Update vom 1.4.]

Wir wurden darauf hingewiesen, dass es sich um ein Landesleistungszentrum (für Bayern) handelt, kein landesweites Landeszentrum. Die Passage wurde geändert.

Desweiteren wurde uns gesagt, dass es sehr sehr unwahrscheinlich sei, dass der DAV eine Zusammenarbeit mit Klever anstrebe. Akustisch hat es sich allerdings so angehört. Leider haben wir keinen Mitschnitt der PK und hatten auch jetzt, während der Feiertage, keine Möglichkeit jemanden zu erreichen. Bei einem Update dazu werden wir das an dieser Stelle veröffentlichen.

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