Das Paraclimbing Team Deutschland im Aufwärtstrend

Was kaum jemand für möglich hält, wird spätestens glaubhaft, wenn man uns beim Training zuschaut. Wir sind das Paraclimbing Team Deutschland. Paraclimbing bedeutet klettern für Menschen mit Handicap. Kletterer mit nur einem Arm oder Bein, schweren neurologischen Einschränkungen oder Sehbehinderungen beweisen eindrucksvoll ihre Stärken an senkrechten und überhängenden Wänden. Das Besondere am Paraclimbing ist die Vielfältigkeit der Behinderungen und die damit verbundene Kreativität beim Lösen einer Route.

Unsere Altersspanne im deutschen Team reicht von 20 bis 57 Jahre, ebenso die Spanne der Klettererfahrung, die sich von einigen Monaten bis hin zu 40 Jahren erstreckt. Obwohl wir uns leider nur selten sehen, da wir über ganz Deutschland und Österreich verteilt wohnen, haben wir immer großen Spaß, geben einander hilfreiche Tipps und unterstützen uns gegenseitig.

Die Paraclimbing-Saison 2017 ist vorbei und war sehr erfolgreich für uns. Es gab den Paraclimbing Master im österreichischen Imst, einen Weltcup in Briancon, Frankreich, und zwei Weltcups in Großbritannien, jeweils einer in Sheffield und einer in Edinburgh. Das allgemeine Starterfeld hatte sich im Vergleich zum letzten Jahr stark vergrößert. Auch wir waren noch besser aufgestellt als im Vorjahr. Zahlreiche Medaillen bestätigten, dass die Entwicklung des deutschen Paraclimbing sehr gut voran schreitet. Weltmeister Korbinian Frank und Vize-Weltmeister Nils Helsper in der Klasse RP1, die Gruppe der neurologisch am Stärksten betroffenen, präsentierten sich gewohnt stark, Nils konnte mit einem Sieg beim Master in Imst, einem Weltcup-Sieg in Briancon und zwei zweiten Plätzen in Großbritannien die Saison beenden. Kevin Bartke gewann in der Klasse AU2, Amputation des Unterarms, beim Master in Imst, die Weltcups in Briancon und Edinburgh und verfehlte in Sheffield nur knapp das Triple. Kevin musste oft auch gegen einen Teamkollegen antreten, Andreas Band, der ebenfalls in AU2 startet. Die mit Weltmeister Korbinian und Vize-Weltmeister Nils schon stark besetzte Klasse RP1 wird noch ergänzt durch Sebastian Depke. Auch in RP 2 sind wir mit Michael Füchsle und Florian Singer bestens aufgestellt. Peter Kunze startet erfolgreich in der Klasse RP3. Als einzige Frau im Team die bisher an Wettkämpfen teilgenommen hat, bin ich der Klasse RP1 zuzuordnen, aber die letzten Wochen haben gezeigt, dass ich bald weibliche Unterstützung bekommen werde. Zuletzt wird auch die Klasse AL2, Beinamputation, von uns durch Günther Grausam und Thomas Meier hervorragend ergänzt.

Bekanntlich liegen Erfolg und Misserfolg sehr nah beieinander. Für den Misserfolg habe in diesem Fall ich gesorgt, indem ich mir Ende Oktober während des Bouldertrainings beim Abspringen einen Lendenwirbel gebrochen habe und nun drei Monate striktes Sportverbot befolgen muss.
Es ist dennoch deutlich zu spüren, dass das deutsche Paraclimbing Team im Aufwärtstrend ist. Während im Jahr 2016 sieben deutsche Athleten in Imst an den Start gingen, waren es ein Jahr später schon zehn, und seitdem ist das Team weiter stetig gewachsen.

Im kommenden Jahr steht wieder die Weltmeisterschaft vor der Tür. Dieses Mal ist unser Nachbarland Österreich Austragungsort, mit dem 2017 neu eröffneten Kletterzentrum in Innsbruck, inmitten der Tiroler Alpen. Man darf gespannt sein, welche Erfolge wir in dieser atemberaubenden Kulisse feiern werden.
Außerdem sind für 2018 auch erstmals nationale Paraclimbing Wettbewerbe geplant und es werden, vor allem im Hinblick auf die WM, wieder Trainingstreffen stattfinden. Hierbei sind die genauen Termine aber noch unbekannt.

Wir blicken erwartungsvoll in das schon bald beginnende nächste Jahr, freuen uns auf vielversprechende Entwicklungen im Paraclimbing-Sport und sind zuversichtlich, auch 2018 über viele weitere Erfolge berichten zu dürfen

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